Berlin (epd). Die Berliner Kältehilfe hat die Bevölkerung um Unterstützung für die Arbeit der Obdachloseneinrichtungen in den Wintermonaten gebeten. Die Mitarbeiter von Diakonie und Caritas seien auf Hinweise über hilfsbedürftige Menschen auf der Straße angewiesen, sagte die Öffentlichkeitsreferentin der Berliner Stadtmission, Ortrud Wohlwend, am Freitag zum Start des diesjährigen Hilfsangebots in Berlin. Diakonie-Direktorin Susanne Kahl-Passoth rief Abteilungen in Verwaltungen und Betrieben sowie Bürogemeinschaften auf, sich an der neuen Solidaritätsaktion "Vitamin B" zu beteiligen und ein Hilfsprojekt zu besuchen.
Die Kältehilfe startet am kommenden Mittwoch zum 21. Mal. Bis zum 31. März 2007 sind in der Bundeshauptstadt mehr als 70 Suppenküchen, Nachtcafés, Tagestreffs und Notübernachtungen geöffnet. Zudem wird ein Kältebus Getränke und Decken zu bedürftigen Menschen bringen und ein Arztmobil im Einsatz sein. In den Unterkünften stehen 247 Plätze zur Verfügung, sagte Koordinator Hermann Pfahler. Daneben bieten Kirchengemeinden jede Nacht bis zu 100 weitere Schlafgelegenheiten an. Dabei sind rund 450 freiwillige Helfer im Einsatz. Ohne die Ehrenamtlichen wäre die Versorgung schon seit Jahren nicht mehr zu bewältigen, betonte der Diakoniereferent.
Mit der Aktion "Vitamin B" unter Schirmherrschaft von Bischof Wolfgang Huber sollen die Berliner ins Gespräch mit Obdachlosen gebracht werden. "Wir wollen Menschen zusammenbringen, die sich normalerweise im Alltag nicht begegnen", sagte Kahl-Passoth. Die Teilnehmer sollen in einer Einrichtung ihrer Wahl einen Obstsalat zubereiten und an bedürftige Menschen verteilen. Dies sei eine Chance, etwas über das Leben Obdachloser zu erfahren, hieß es.
Die Kältehilfe wurde im langen und besonders kalten Winter 1985 gegründet, um Obdachlose vor dem Erfrieren zu retten und warme Mahlzeiten anzubieten. Das Netz von niedrigschwelligen Angeboten biete Schutz und sei für viele Menschen ein erster Anlaufpunkt in der Not, betonte Pfahler. Im vergangenen Winter seien zwei Obdachlose durch Erfrieren gestorben. "Wir hoffen, dass das in diesem Jahr nicht so sein wird."
Schätzungen zufolge leben in Berlin zwischen 2.000 bis 4.000 Menschen auf der Straße. Nach Angaben der Senatssozialverwaltung gab es in Berlin Ende 2004 zudem 6.973 wohnungslose Menschen, die in Heimen, Pensionen oder Wohngruppen untergebracht sind. Wegen der neuen unterschiedlichen Zuständigkeiten durch die Hartz-IV-Gesetze würden diese Zahlen jedoch nicht mehr aktualisiert, kritisierte Pfahler. Um die Hilfsangebote den Bedürfnissen anpassen zu können, seien die Einrichtungen jedoch auf eine zeitnahe Statistik angewiesen.
Die Angebote sind im Internet unter www.kaeltehilfe-dwno-berlin.de
aufgelistet und werden über das Kältehilfetelefon (030-60490530) koordiniert. Der Kältebus (0178-5235838) bringt hilfsbedürftige Menschen in fünf Nächten in der Woche zu Unterkünften. (6593/27.10.2006)epd ost
Fachkontakt: Hermann Pfahler, Tel. 030 82097291
Erich Kotnik, Diakonie-Pressesprecher,
27.10.2006









